AUSZEIT AM WASSER – KAPPELN AN DER SCHLEI

10.05.2020 Der Lockdown hat uns alle im Griff. Cafés, Bars und Restaurants sind geschlossen, einkaufen nur mit Maske, an einen Stadtbummel ist nicht zu denken. Die Grenzen sind geschlossen. Ausnahmezustand.
In uns allen wächst mit jeder Woche der Drang, auszubrechen. Etwas zu unternehmen. Und dann kommen die Lockerungen.

18.05.2020 Einige Bundesländer öffnen wieder Ihre Grenzen und erlauben Besucher. Keine Tagestouristen, damit der Andrang nicht ins Unermessliche steigt.
Aber wir sind keine Tagestouristen. Wir bleiben. 4 Tage, die der Seele in dieser Zeit mehr als gut tun.

Das Auto gepackt mit Vorfreude, einer Kaffeemaschine und Mama und Tochter. Wir fahren los, über die Landstraße, ganz gemütlich – bis nach Kappeln.
Noch nie haben wir uns dieses Fleckchen Deutschlands angeschaut und sind so froh, dass wir es getan haben.
Anstatt in überlaufenden Ostsee-Orten wie Timmendorf oder Scharbeutz sich mit der Masse über die Promenade zu schieben, genießen wir lieber die Ruhe am Hafen von Kappeln, laufen durch die kleine Innenstadt, interessieren uns aber nicht für Geschäfte, sondern eher für die Häuser und den Ausblick aufs Wasser, der hinter kleinen Häuschen und Kirchen zum Vorschein kommt.

Den ersten Tag sind wir jedoch geschafft von der Anreise, packen erst einmal die Taschen in unserem wunderschönen Apartment im Pierspeicher aus und legen uns dann noch einmal ins gemütliche Bett. Gegen Abend suchen wir ein Restaurant, wir haben Lust auf Pizza. Der Italiener „Pizza Lounge“ ist unsere Rettung. Leckere Pizza, vollmundiger Rotwein und eine zwanglose Atmosphäre.

19.05.2020 An diesem Tag kochen wir uns einen Kaffee, genießen ihn im Bett mit Aussicht auf den Hafen und entschließen, uns heute Arnie anzuschauen, die kleinste Stadt Deutschlands.
Dieses Örtchen ist definitiv einen Besuch wert! Arnis besteht aus einer einzigen Straße, auf der sich ein süßes Häuschen neben das andere reiht. Jedoch ist der Rundgang, der einmal um die auf einer Art Insel liegende Stadt führt, viel schöner. Kaum hat man ein Viertel des Weges geschafft, erstreckt sich vor einem ein kleines Restaurant direkt am Wasser. Die Strandhalle ist sehr liebevoll eingerichtet und die Fischbrötchen sind der Wahnsinn. Mit Blick auf’s Wasser und Alster in der Hand lässt es sich wirklich aushalten… 🙂

Nachdem wir noch einige Zeit durch das kleine Örtchen geschlendert sind, kehren wir zum Auto zurück und fahren einfach los. Wir genießen die Landschaft und fahren schließlich, ganz spontan, nach Damp. Hier befindet sich ein großer Campingplatz (Schubystrand), an dem wir parken und ihn überqueren. Hinter mehreren Wohnwagenreihen erstreckt sich dann die Ostsee vor uns – es folgt ein langer Strandspaziergang. Frischer Wind, der uns den Kopf frei pustet und eine positive Ruhe hinterlässt.

Abends haben wir Appetit auf Fisch. Direkt am Hafen in Kappeln hat man eine große Auswahl an Restaurants, wir entscheiden uns für das Restaurant „Meerestochter„. Das Essen ist sehr gut, die Atmosphäre leider etwas angespannt. Während in der Pizzeria die Leute fröhlich erzählten und italienische Musik lief, war es im Restaurant Meerestochter für unseren Geschmack leider etwas ruhig. Nichts desto trotz: die Scholle sowie der Salat mit Zitruslachsfilet sind wärmstens zu empfehlen. Und nachdem die Bäuche voll sind, tut ein Schlendern über die Hafenkante mehr als gut. Die Abendsonne trifft gerade noch so die Promenade und die letzen Sonnenstrahlen kitzeln die Nase. Leider – und das ist der einzige Nachteil – liegen die Restaurants am Hafen zur Nordseite, somit kann man die untergehende Sonne nicht sehen.

20.05.2020 Unser letzter ganzer Tag bricht an. Der Kaffee im Bett ist bereits ein Ritual. Ihm folgt ein Franzbrötchen vom Bäcker um die Ecke in der Sonne. Wir schauen den Segelbooten zu, wie sie an- und ablegen, ihre Wellen schlagen und die Schleibrücke den darauf fließenden Verkehr unterbricht, um die Schiffe auf die Schlei zu entlassen.
Am Hafen liegt ein großes Schiff, auf dem man an einer Schleirundfahrt teilnehmen kann. Wir kaufen zwei Tickets für 14:00 Uhr (Spoiler: Segelboot fahren wäre so so viel schöner) und beschließen, die verbleibenden drei Stunden mit einem ausgiebigen Spaziergang zu überbrücken.

Wir fahren nach Wackerballig (ca. 15 Minuten mit dem Auto aus Kappeln) in der Nähe von Gelting. Stellen das Auto ab und laufen los. Ohne genaue Wanderwege zu kennen, immer der Nase nach.
Eine schöne Route, die wir zufällig entdeckt haben, beginnt am Parkplatz neben dem Campingplatz Wackerballig. Sie führt den „Strandweg“ entlang, am Hundestrand vorbei und durch den Nordschau-Wald. Am Meer entlang, über Felder und durch dichtes Laub – schöner und abwechslungsreicher kann es fast gar nicht mehr sein.

Wir kommen rechtzeitig wieder in Kappeln an, stellen das Auto auf den Hotelparkplatz und gehen an Bord des Schlei-Damperfs.
Das Schönste an der 3-stündigen Fahrt ist der Aufenthalt auf der Lotseninsel. Diese ist nur mit dem Boot zu erreichen. Ein Kiosk, ein Restaurant und ein Haupthaus stehen auf der Insel. Unser Ziel wäre es gewesen, jemanden zu finden, der uns mit dem Segelboot zu der kleinen Insel hin und wieder zurück nimmt. Die „Giftbude“ – so nennt sich das Restaurant – öffnet freitags bis sonntags um 17:00 Uhr. Das letzte Schiff fährt aber bereits um 15:30 Uhr wieder in Richtung Kappeln.
Wer also ein eigenes Boot besitzt, kann Wein und Fisch in der Abendsonne, ganz ungestört, genießen.

Unseren letzten Abend verbringen wir also nicht auf der Lotseninsel, sondern auf der Terrasse des hoteleigenen Restaurants „Land und Meer“. Wir kniffeln, trinken einen leckeren Rotwein und naschen ein bisschen Brot mit Aufstrich. An diesem Abend haben wir keinen großen Hunger, die Speisekarte des Restaurants sieht nichts desto trotz aber sehr gut aus. Wir lassen den Abend mit einer Runde Rummikub im Apartment ausklingen, die offenen Fenster tragen die salzige Meeresluft und die Geräusche des Hafens zu uns hinein.

Unsere kurze Auszeit ist vorbei, doch eins ist sicher: wir kommen wieder.




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